Archiv für Niels

Christine Göldner fährt 2014 für das „Merkur Cycling Team“

Nun ist es also amtlich.

Mit dem Deutschen Meister Titel im Jedermannbereich und dem 3. Platz in der Gesamtwertung des German Cycling Cups hat Christine in dieser Saison für reichlich Aufsehen gesorgt.

Im Trikot der RSV Löbau stand sie fast immer auf dem Podest und hat sich durch ihre hervorragenden Leistungen in die Notizbücher einiger Amateurteams gestrampelt.

Nun also „Merkur Cycling Team“!

Wir wünschen für die Saison 2014 alles Gute und freuen uns schon jetzt auf die neuen Berichte aus dem neuen Team.

Nähere Infos auch bald unter:

www.merkur-cycling.de

Elbspitze 2013 – Der Ultramarathon über 737 km und 12.000 hm von Dresden auf den Monte Zoncolan

Als ich Anfang März vor meinem Rechner saß und mir mal wieder die Strecke der diesjährigen Tour und die Berichte der letzten Jahre angehen habe, wusste ich, jetzt oder nie!

Getreu nach dem Motto: „Man darf es nicht nur wollen, man muss es auch tun!“

Nur die große Frage war, wie trainiert man für so einen Ultramarathon? Ich bin die letzten Jahre schon viele Marathons gefahren, Ötztaler, Engadiner, Dolomitenrundfahrt, Schwalbe Tour Transalp, …, aber das jetzt übertrifft alles!

Schon beim lesen der Streckendaten erstart man vor erfurcht, 737 km mit 12000 hm von Dresden auf den Monte Zoncolan in gut 36h.

Die Vorbreitung verlief eher weniger optimal. Schon Ende des letzten Jahres stand fest, dass es ein Trainingslager im Süden nicht geben wird, also Grundlage in der Heimat fahren! Eigentlich alles kein Problem, hätte sich der Winter nicht überlegt, dieses Jahr etwas Überstunden zu machen und die weiße Pracht bis Mitte April in der Oberlausitz liegen zu lassen.

Somit hieß der Trainingsplan am Anfang des Jahres Langlauf, Spinning und Joggen. Mit den ersten schönen Tagen ging es dann aber gleich aufs Rad und es wurden die Kilometer nur so runter gespult. Jeder Woche ca. 450 km Training, bei einem 40h Job nicht immer leicht und kostet so manche Entbehrung.

Deswegen habe ich mich auch entschieden im Mai noch einmal 14 Tage den Bock in die Ecke zu stellen und mir eine Auszeit zu gönnen. Einfach mal andere Dinge im Leben genießen!

Danach galt wieder volle Konzentration auf das Ziel „Monte Zoncolan“, nur dass das Wetter immer noch nicht besser geworden war. Bis zu sechs Stunden im strömenden Regen fahren, gehörten nun leider des Öfteren dazu. Wenigstens wusste ich, falls das Wetter bei der Elbspitze schlecht werden sollte, bin ich gerüstet.

Nun war es soweit, am 28.06. nach einer kurzen Nacht, klingelte um 3 Uhr der Wecker. Noch kurz einen Kaffee getrunken und ab ging es mit dem Auto nach Dresden. Um 04:30 Uhr war Treff an der Frauenkirche, kurz einschreiben, Startpaket in empfang nehmen und die letzten Vorbereitungen treffen. Gleich am Start bekam jeder sein Elbspitze-Trikot, das sofort übergestreift wurde. Ich war schon etwas stolz zu den 23 Startern zu gehören die die 737 km in Angriff nehmen. Jetzt galt es „nur“ noch zu finishen.

Der Tross setzte sich um 05:30 Uhr in Bewegung. Gleich zum munter werden ging es die ersten 48 km nur bergauf zum Grenzübergang Moladva im Erzgebirge, wo die erste von 14 Bergwertungen auf der Tour ausgetragen wurde.

Für mich war das einzige Ziel, mit dem Rad auf dem Monte Zoncolan anzukommen und deshalb galt es sich aus jeglichem Kampf um eines der Wertungstrikots heraus zu halten. Bloß nicht überpacen und den Puls zu weit nach oben treiben, um Körner zu sparen.

Die nächsten Kilometer bis zur ersten Verpflegungspause bei km 148 vergingen wie im Flug. Dort angekommen traute ich meinen Augen nicht, was das Organisations-Team da auf die Beine gestellt hat, war ganz große Klasse! Das war ein 5 Sterne Buffet für Radfahrer. Alles was das Herz begehrt und was man braucht um genügend Kraft für den nächsten Abschnitt zu sammeln. Man musste sich nur noch hinsetzten und sich durch das Schlaraffenland futtern und trinken.

Im zweiten Abschnitt musste Plasy und der Böhmerwald überwunden werden. Zwei Anstiege die nicht sehr steil waren und sich gut fahren lassen, immer in dem Tempo, dass man in der Mitte des Feldes oben ankam. Nach vorne gab es eh keine Ambitionen und nach hinten das Auge immer offen halten, um mit genügend Vorsprung vor dem Ende des Feldes oben anzukommen.

Bei km 268 folgte die zweite Pause bevor es weiter Richtung Passau ging. In den Abschnitten zwischen den Bergwertungen fuhr die Gruppe geschlossen, es wurde zwar zügig gefahren, aber im Windschatten konnte ich gut mitrollen und man merkte gar nicht, dass die Kilometer um Kilometer vergingen.

An der Abendpause hinter Passau hatten wir bereits 362 km geschafft und die Beine waren noch ziemlich frisch und die Laune bestens. Das Licht wurde montiert und ab ging es in die Nacht.

Auf dem Weg zur Nachtpause stand noch der Anstieg Daxlueg im Weg. Hier musste ich das erste Mal richtig auf die Zähne beißen, denn der kurze Anstieg von 3,2 km aber 9,4 % Durchschnittssteigung verlangte im Dunkeln schon einiges ab. Dafür wurde man zwischendurch immer wieder mit einem herrlichen Blick über das leuchtende Salzburg belohnt.

Die Nachtpause war mit 75 min die längste und ich hatte nach der reichhaltigen Nudelparty um 1 Uhr nachts, noch genügend Zeit mal für eine halbe Stunde die Augen zu schließen. Mittlerweile war das Thermometer unter 10°C gefallen und die Motivation zum weiterfahren sank erheblich.

In warme Sachen eingepackt, ging es weiter auf den 6,5 km langen Koloman, wo der Puls noch einmal nach oben schnellte. Perfekt um wach zu bleiben.

Ab jetzt begann dass vor dem ich mich immer gefürchtet hatte. Auf einmal war jegliche Motivation verflogen. Die Strecke war nicht schwer und zog sich nur leicht ansteigend über Bischofshofen nach Bruck am Großglockener. Die Müdigkeit war aber so stark, dass ich alle meine Kraft investieren musste um einfach nur die Augen offen zu halten. Selbst in den Beinen merkte ich auf einmal, dass jeglicher Saft raus war. Ich bekam keine Kraft mehr auf die Pedale und jede noch so kleine Erhebung wurde zur Qual. … Es ging nichts mehr! … In dem Moment auf dem Rad war mir fast alles scheiß egal, ich wollte nur noch in den Bus! Vor allem wusste ich ja was noch vor mir lag, gute 200 km und 5000 hm durch die Alpen.

Ich weiß nicht mal mehr genau wie spät es war als ich in Bruck eintrudelte, ich schätze mal auf etwas zwischen sechs und halb sieben. Nun stand ich da und wusste weder ein noch aus. War es das jetzt? Die Tatsache das es oben auf dem Glockner Temperaturen um 0°C hatte und noch eine geschlossene Schneedecke rechts und links neben der Straße lag, taten zu der Entscheidung weiter zu fahren nicht unbedingt bei.

Gebe ich jetzt auf und setzte mich zu den schon ausgeschiedenen in den Bus, oder probiere ich es? … Erst einmal setzten und Frühstücken!

Nach ein paar Schnittchen und einem leckeren Schnitzel stand die Entscheidung fest.

Es geht weiter! Irgendwie komm ich auf diesen ollen Glockner schon hoch! … Und wenn nicht? … Das gibt’s nicht!!!

Also frische Sachen angezogen und auf ging es, knapp 2000 hm übers Fuschertötl zum Hochtor. Den Anstieg habe ich mich schon öfters hoch gequält aber so gestorben bin ich da noch nie. Einfach nur weiter, noch 15 km zum Gipfel, noch 10, noch 5, … und irgendwann war ich oben! Diesen Glücksmoment kann man nicht beschreiben, einfach nur pure Emotion!

Jetzt hieß es aber schnell warme Sachen an und runter zur vorletzten Pausehinter Heiligenblut!

Unten lagen schon unsere Bergziegen in der warmen Sonne und genossen die Sonnenstrahlen. Also Decke geschnappt und gleich mit auf die Wiese gelegt. Ich merkte sofort wie mich die Sonne mit neuer Energie volltankte und mir neue Kraft gab. Das war echt der Wahnsinn, denn ich fühlte mich wie neu geboren und nicht wie einer der schon 650 km in den Beinen hat.

Ab jetzt war es ein Traum und das Ziel in greifbarer Nähe, mit einem 40er Streifen ging es bei 20°C und Sonnenschein, den Akku voll aufgeladen, weiter Richtung Süden.

Über den Iselsberg (5,6 km) und den Gailberg (6,7 km) folg ich einfach nur drüber und konnte mir sogar noch ein paar Bergpunkte sichern. Eigentlich unvorstellbar, wenn ich überlege wie es mir paar Stunden zuvor ergangen ist!

An der letzten Pause war mir schon klar, dass ich auf jeden fall finishen werde und das beflügelte mich noch umso mehr. Über den Plöckenpass und Ravascletto ging es zum Fuße des Monte Zoncolan.

Die letzten 10,5 km mit 1200 hm und einer Durchschnittssteigung von 11,5% sollten mir aber noch einmal alles abverlangen. Ich wusste, dass der Berg schwer werden würde, aber das war kein Berg, das war steil, steiler, Monte Zoncolan!!! Mit 5 km/h und Zickzack quälte ich mich Meter für Meter weiter, mit der Gewissheit, dass es wohl doch noch etwas länger dauern wird, bis ich da oben bin.

Nach einer gefühlten Ewigkeit stand da an der Wand auf einmal „ultimo kilometro“! Jetzt war es gleich geschafft, noch durch drei Tunnel und dann sah man schon die letzten 300m zum Gipfel. Ein Teil unsere Betreuer stand noch oben und wartete auf jeden einzelnen der 13 Finisher mit tobendem Applaus. … Einfach nur GÄNSEHAUT PUR!!!

Am Ende im Hotel standen 775 km, 12.018 hm und eine netto Fahrzeit von 30 h 05 min auf meinem Tacho, dazu ein Durchschnittspuls von 139, einem Maximalpuls von 172 und einem Kalorienverbrauch von 15.593!

Mein Fazit:

Ich habe schon viele Events mitgemacht und einiges erlebt und kann zu recht sagen: Was das Organisationsteam der Elbspitze auf die Beine gestellt hat ist grandios! Eine Strecke die jedem alles abverlangt, eine Verpflegung die keine Wünsche offen lässt, ein Betreuerteam das mit Herzblut dabei ist und dies in jeder Sekunde der 37 h auch zeigt. Ihr seid einfach nur Weltklasse!!!

Ich bin schon gespannt, welche Strecke ihr für das Jahr 2014 heraus sucht, wenn die Zeit passt und die Vorbereitung stimmt, dann wird dies sicher nicht meine letzte Elbspitze gewesen sein!

Nur dann wird es neben dem Ziel zu finishen, definitiv noch ein weiteres Ziel geben! 😉

Überraschung in St.Pölten

Die Formkurve steigt stetig bergauf. Trotz des mäßigen Wetters der letzten Wochen konnte ich mein Trainingspensum gut durchziehen, um am 28.06. fit am Start der Elbspitze zu stehen.

Für den letzten Schliff ging es am vergangenen Wochenende zum St. Pöltener Radmarathon nach Österreich, einem Rennen der UCI World Cycling Tour. Die Strecke über 158km und 2900hm galt gleichzeitig als Qualifikationsrennen für die „UCI Amateur- und Master- Weltmeisterschaft“ und zog deshalb auch Fahrer aus über 20 Nationen an den Start.

Somit die perfekten Bedingungen für ein schnelles Rennen, um zu sehen wie die Form ist.

Nach dem Start ging es erst einmal flach Richtung Berge. Gleich der erste Anstieg wurde zügig hinauf gefahren und das große Feld dezimierte sich auf ca. 40 Fahrer. Nach einer schnellen Abfahrt ohne Verschnaufpause ging es gleich in den zweiten Berg.

Nach der hälfte musste ich dann auch kapitulieren und konnte dem hohen Tempo nicht mehr folgen. In der längern Abfahrt ins Tal sammelten sich dann mehrere größere Gruppen wieder zusammen.

Anstieg drei und vier blieb meine Gruppe relativ gut zusammen und wir konnten ein gleichmäßiges Tempo hinauf fahren. Als dann am fünften Anstieg das Tempo deutlich angezogen wurde, passierte es! An meinem Vorderrad bemerkte ich wie immer weniger Luft im Reifen war. Der erste Gedanke: „ Sch… das war’s!“ Also rechts raus und Reifen wechseln. Als ich mich schon fast mit meiner Situation abgefunden hatte und begann den Reifen zu wechseln, kam um die Ecke ein neutrales Materialfahrzeug gebogen. Der gute Mann sprang auch gleich aus seinem Auto und brachte mir ein neues Vorderrad.

Schnell gewechselt und wieder angeschoben, ging es der Meute hinterher. Bis zum Gipfel hatte ich den Großteil meiner Gruppe wieder ein, was wichtig war denn danach ging es gute 40km bergab und allein wäre ich verlorenen gewesen.

Im letzten Anstieg merkte ich das die Beine noch relativ gut waren, also Kette rechts und los!

Die 6 km bis zum Gipfel noch mal Anschlag fahren. Oben angekommen waren es noch 15 km bis zum Ziel. In der Abfahrt rollten dann aber wieder ca. 15 Fahrer zusammen, so dass wir im Belgischen Kreisel nach St.Pölten jagten.

Im Zielsprint wurde ich dann noch zweiter von meiner Gruppe.

Im Ziel wusste ich schon das es eigentlich recht gut gelaufen ist, aber das Ergebnis hat mich dann doch etwas überrascht. Platz 11 in meiner Alterklasse und Platz 24 gesamt nach 4h und 44min sind doch besser als ich mir ausgemalt hatte, vor allem da die Gruppe vor uns nur 25 sec. Vorsprung hatte. Gut zum Sieger waren es dann doch schon einige Minuten, aber mit den Halbprofis will ich mich ja auch nicht messen!

Die Überraschung kam dann aber noch ein paar Tage später per E-Mail:

…“Wir können mit Stolz verkünden, dass Sie sich für das Finale der UCI World Cycling Tour in Trento (19.-22.09.) qualifiziert haben.“

Damit hatte ich dieses Jahr eigentlich überhaupt nicht gerechnet, aber jetzt heißt es wohl trainieren für die Amateur- und Master-Weltmeisterschaft in Italien.

Bis dahin

Niels

Gelungener Auftakt

Am Samstag war es soweit. Das erste Rennen zum Elbe-Labe Cup in Janov (CZ) stand an.

Bei kühlen Temperaturen ging es ab 10.00 Uhr los. Einzelzeitfahren ähnlich wie unser Bergrennen. Rund 230 Teilnehmer waren am Start.  Ähnlich auch die Probleme wie bei uns – die Zeitmessung und das trotz Transponder. Aber was solls, ist halt Sport und bei den Tschechen mit Volksfestcharakter.

Insgesamt eine toll organisierte Veranstaltung und natürlich auch toller Platzierung für den RSV Löbau.

Klaus H. 1. Platz Senioren 4

Christine  2. Platz Seniorinnen 3

Sandro 12 Platz Senioren 3

Weiter so.

Ötztaler Radmarathon am 25.08.2013

Liebe Sportfreunde,

vergesst bitte nicht, wer dieses Jahr wieder den Ötztaler Radmarathon mitfahren möchte, muss sich bis zum 28.02. auf der Seite www.oetztaler-radmarathon.com für einen Startplatz bewerben.

Viel Glück!!!

Schwalbe tour Transalp – Siebente Etappe

Gestern war sie also, die letzte kurze Etappe von Trento nach Arco. Wir hatten gerade mal 102 Kilometer und 2125 Höhenmeter zu bewältigen. Die erfahrenen Fahrer haben uns aber gewarnt,dass es viele am letzten Tag nochmal wissen wollen, und daher gerade in den Abfahrten Vorsicht wegen Kamikazeaktionen geboten ist. Niels und ich hatten uns darauf geeinigt, dass wir die letzte Etappe gemütlich angehen und den Tag genießen.
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Vom Start, auf dem Domplatz von Trento, waren die ersten Kilometer aus der Stadt heraus neutralisiert und nach 13 Kilometern kam auch schon der letzte schwierige Anstieg der Woche nach Viote, mit 1300 Höhenmetern auf 20 Kilometern. Gleich am Fuße des Berges fing Niels an Tempo zu machen und als der Berg auf der Hälfte flacher wurde, haben wir das Tempo nochmal angezogen und fanden uns auf einmal zwischen vielen Leuten wieder, die wir noch gar nicht kannten. Nach der Abfahrt fing das Rennen aber erst richtig an. Es gab starken Gegenwind und in der Gruppe wurde ein hohes Tempo gefahren. Dabei hatten wir oft Löcher zu zu fahren, was viele Körner gekostet hat.

Am letzten kleinen Anstieg der Woche haben wir noch eins drauf gesetzt, unten das Tempo angezogen und außer ein anderes Team konnte uns keiner Folgen. Besonders der Hinweis eines Betreuers, dass wir erst 25 Minuten Rückstand zur Spitze hatten, hat nochmal motiviert. Mit der nächsten Gruppe der wir auffahren konnten, sind wir dann in den allerletzten ansteigenden Kilometer der Woche gefahren. Niels und ich waren an deren Spitze und niemand hat auch nur versucht an uns vorbei zu fahren. Das war ein tolles Gefühl. Auf der folgenden Abfahrt nach Arco haben wir den Gardasee blau glitzern sehen und ab da war es nur noch eine kleine Triumphfahrt bis zur Zielzeitnahme. Die allerletzten Kilometer bis zum Ziel mitten in Arco sind wir freudestrahlend dahingerollt.
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Nach einer Woche fahrt durch den Zielbogen zu rollen ist unbeschreiblich. Es gab sogar Fahrerinnen, die in Tränen ausgebrochen sind, so groß war die Anspannung, die plötzlich abgefallen ist. Neben der Freude war dann aber auch ganz schnell der Gedanke, dass dieses großartige Spektakel schon vorbei ist und ab jetzt wider der Alltag auf uns wartet.

Abends gab es eine ausgedehnte Zielparty in Arco. Neben dem üblichen Abendessen und der Siegerehrung gab es diesmal auch Wein und später auch Cocktails und einen DJ in einem sehr gemütlichen Club. Viele sind zwar nach der anstrengenden Woche sehr zeitig im Hotel verschwunden aber die Anderen haben es ordentlich krachen lassen.

Heute Morgen haben uns Busse zurück nach Mittenwald gebracht wo unsere Räder, die wir gestern direkt am Ziel abgegeben haben, schon auf uns gewartet haben. Die Busfahrt vom heißen Gardasee ins verregnete Mittenwald hat übrigens nur drei Stunden gedauert. Jetzt sitze ich im Zug zurück nach Hause und frage mich, wohin ich meine nächste Radtour unternehmen kann.

Schwalbe Tour Transalp – Sechste Etappe

Gestern gab es leider aus technischen Gründen keinen Eintrag. Der Tag war aber eh zum vergessen, da bei uns beiden der Akku absolut leer war und wir uns nur ins Ziel nach Crespano del Grappa gequält haben. Vorher hat uns die 30 Kilometer lange Auffahrt zum Monte Grappa den Rest gegeben am Ende hat es gerademal für Platz 88 gereicht.

Heute lief es dafür wieder ganz gut, obwohl es die längste Etappe der Woche war. Am Anfang gab es einen 25 Kilometer langen neutralisierten Start und dann kam der erste von zwei Anstiegen nach Foza von 200 Höhenmeter auf 1000 Höhenmeter. Ab da ging es wellig weiter bis zu einer 12 Kilometer langen Abfahrt die direkt in die blanke Felswand gehauen war. Die unzähligen Kehren waren alle total eng und man konnte senkrecht ins Tal schauen. Unten empfing uns ein 35 Grad warmer Gegenwind den wir aber nur kurz genießen konnten, denn der nächste Aufstieg nach Melignon kam schon nach 5 Kilometern und war am gegenüberliegenden Felsen in die senkrechte Felswand geschlagen. Die Aussicht ins Tal war sehr beeindruckend. 1300 Höhenmeter auf 18 Kilometer und der Fels war Richtung Süden ausgerichtet, so dass wir die 40 Grad heiße Sonne stets von oben hatten.

Nach dem kräftezehrenden Aufstieg kam die 40 Kilometer lange kurvige Abfahrt nach Trento. Dort sind wir gemütlich in einer Gruppe gerollt. Die Zeitnahme war ein paar Kilometer vor dem Ort und Niels hatte die gute Idee, am letzten kleinen Hügel anzugreifen und der 30 Mann starken Gruppe wegzufahren. Damit sind wir mit 5 Stunden und 26 Minuten nach 140 Kilometern als erste unserer Gruppe über den Zielstrich gerollt. Das machte für uns den 77 Platz in der Tageswertung der Herren. Die neutralisierte Zieleinfahrt war auf dem wunderschönen Domplatz von Trento und Carola empfing uns mit leckerem italienischen Eis. Ein toller Ausklang für eine solche Etappe.
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Übrigens hatte Niels heute Geburtstag. Der Irre Kerl hat also seinen dreißigsten Geburtstag auf dem Rad bei der längsten Etappe der Tour-Transalp verbracht. Vor genau einem Jahr hatte er mich zum Xten Mal gefragt, ob ich mit ihm die Transalp fahren möchte und ich habe das erste Mal zugestimmt. An manchen Tagen der Woche haben wir das beide kurz bereut, aber insgesamt war es bisher ein extrem großer Spaß.

Kaum zu glauben aber morgen ist schon die letzte Etappe. Jeden Tag ist so viel Trubel, dass man jegliches Gefühl für Zeit und Ort verliert. Wann sind wir in Mittenwald los gefahren? Vor zwei Monaten? Ach nee, das ist ja gerade mal sechs Tage her. Und an den Zielort des Vortages kann man sich auch nur dunkel erinnern. Selbst die Erinnerung an die vielen schweren Pässe verblasst zusehens. Auch wenn wir uns freuen, dass wir morgen in Arco ankommen, so ist es doch furchtbar schade, dass es dann schon vorbei sein soll.
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Schwalbe Tour Transalp – Fünfte Etappe

Falcade nach Crespano del Grappa
129 km
3047 Hm
Passo Valles 2032 m
Passo Rolle 1972 m
Monte Grappa 1674 m

Schwalbe Tour Transalp – Vierte Etappe

Die heutige Etappe war als relativ leichte Runde mit 107 Kilometern und 2500 Höhenmetern ausgeschrieben, bei der man den ganzen Tag einen atemberaubenden Blick auf die Dolomiten genießen kann. Wie allerdings gestern schon vermutet, war die Etappe heute alles andere als leicht und vom Panorama haben wir nicht viel mitbekommen.
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Vom Start in St. Vigil gab es eine kleine neutralisierte Abfahrt von 5 Kilometern. Schlau wie wir waren, haben wir uns in die erste Reihe von unserem Startblock B gestellt. Sofort nach dem die Neutralisierung aufgehoben war, haben die Vordersten so Tempo gemacht, dass die große Gruppe auseinander gerissen ist. Niels war leider in der vorderen und ich in der hinteren Gruppe. Nach fünf Minuten Anschlag fahren bei dem Versuch alleine vorn ran zu kommen, hab ich mich dann in die zweite Gruppe zurück fallen lassen in der Hoffnung, dass jemand mit mir zusammen vor fährt. Aber Irrtum, keiner hatte Lust zu fahren und ich bin zu lange an der Spitze der zweiten Gruppe gefahren, so dass ich auf den ersten 20 Kilometern viel zu viele Körner gelassen habe.

Niels konnte derweil ein Mal die Luft der Spitzenreiter schnuppern, denn er war in einer Gruppe mit den Gesamtführenden. Aber allein um in dieser Gruppe zu bleiben, hat er sich genauso aufgerieben wie ich hinten. Als er gemerkt hat, dass ich hinten raus war, hat er sich am Fuße des ersten Pass des Tages, dem Grödnerjoch, zurück fallen lassen, und wir sind die knapp 700 verbleibenden der 1100 Höhenmeter zusammen angegangen.
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Die Abfahrt war kurvig und kurz und bog nach ein paar Kilometern links in die Auffahrt zum Passo Sella ab. Hier warteten 350 Höhenmeter auf sechs Kilometer auf uns und wir haben beide die Quittung für die temporeiche Fahrt am Morgen bekommen. Wir waren total platt und haben nur noch versucht irgendwie an den Fahrern vor uns dran zu bleiben.

Auf der heutigen Etappe hat dien Streckensperrung leider überhaupt nicht funktioniert. Auf der langen Abfahrt vom Passo Sella hatten wir ständig Gegenverkehr und viele Gruppen von Motorradfahrern vor uns. Für das Slalomfahren durch die vielen Kehren war also größte Konzentration gefordert. Am nun folgenden Passo Fedaia hieß es für uns wieder nur irgendwie dran bleiben, obwohl die 500 Höhenmeter verteilt auf zehn Kilometer gar nicht so steil waren. Danach folgte eine über 25 Kilometer lange Abfahrt die Anfangs so steil war, dass der Tacho ruck zuck 85 km/h angezeigt hat. Da wir aber beide noch eine Weile Rad fahren wollen, haben wir ein bisschen abgebremst, denn es wäre ohne Probleme deutlich mehr drin gewesen. In der zweiten Hälfte der Abfahrt wurde es flacher und wir hatten ordentlich Gegenwind. Zum Glück hat sich aber eine 12 Fahrer starke Gruppe gebildet, in der sich sogar mal alle einig waren Tempo zu machen. Wir sind gut durchgewechselt und hatten am Fuße des Schlussanstiegs die nächste große Gruppe fast eingeholt. Als der Anstieg nochmal steiler geworden ist und das Ziel nur noch vier Kilometer weg war haben wir alles in die Wagschale geworfen und haben es geschafft die meisten aus der Gruppe vor uns zu überholen. Im Ziel in Falcade sind wir dann erstmal beide nach etwa vier Stunden Fahrzeit vom Rad gefallen. Wir sind damit zwar wieder nur 72. in der Tageswertung, aber in der Gesamtwertung sind wir jetzt auf dem 67. Platz hoch geklettert.
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Die zweite Herausforderung des Tages war es in Falcade etwas zum Essen zu bekommen. Die Zielverpflegung war mehr als dürftig, alle Restaurants des Ortes haben ihre Küche erst frühestens um sechs geöffnet und der Supermarkt hat am Mittwoch Ruhetag. Da standen wir nun mit knurrenden Mägen. Also haben wir bis um sechs gewartet und sind dann erst einmal zur Pastaparty – zumindest hatten wir das vor. Denn nachdem wir circa drei Kilometer durch den Ort in Richtung Party gelaufen sind, kamen uns ein paar Fahrer entgegen und haben uns gewarnt, dass man eine Stunde für echt schlechte Nudeln ansteht. Kein Problem dachten wir, gehen wir eben in eine Pizzaria, aber alle Pizzarien des Ortes waren so mit hungrigen Bikern überfüllt, dass wir fast eine Stunde gewartet haben, bis wir was warmes im Bauch hatten.

Normalerweise funktioniert die Verpflegung recht gut. High 5, ein Sponsor der Tour-Transalp, gibt jeden Tag am Start Gels, Riegel und Isogetränke aus. Außerdem gibt es auf jeder Etappe zwei Verpflegungsstationen, an denen man Melonen, Bananen, Wasser, Isogetränke, Salzstangen, Trockenfrüchte und mit Glück sogar Kuchen bekommt. Die Verpflegungsstationen werden von der Tour organisiert. Dann gibt es noch eine Zielverpflegung, die allerdings vom Zielort organisiert wird. Das klappt meistens auch ganz gut, wie zum Beispiel in Sölden, wo man mit Obst, Kuchen und Cola empfangen wird. Die abendliche Pastaparty ist immer eine Glückssache. Die wird auch vom Zielort ausgerichtet, und hier bekommt man manchmal nur einen Teller Nudeln, oder aber wie gestern in St. Vigil, Salat, Lasagne und Hünchen, und das in der Version super lecker. Nachdem wir heute Pech hatten, wird es morgen sicherlich besser.

Schwalbe Tour Transalp – Dritte Etappe

Schon ist die dritte Etappe rum. Diese war heute mit 85 Kilometern die kürzeste der Woche aber hatte trotzdem knappe 3000 Höhenmeter. Das macht 85 Kilometer mit 3.4 Prozent durchschnittlicher Steigung, also echt hart aber dafür hatten wir auch den ganzen Tag die schroffen Felsen der Dolomiten im Blick und das Wetter war ideal: sonnig aber nicht zu warm.
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Von Brixen ging es 28 Kilometer berghoch aufs knapp 2000 Meter hohe Würzjoch. Die Auffahrt war zum größten Teil auf einem schmalen Waldweg, der immer wieder auf Holzbrücken über einen reißenden Gebirgsbach ging. Die 20 Prozent steilen Rampen haben den Genuss aber leider deutlich eingeschränkt.
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Dann kamen noch zwei kleine Gegenanstiege und nun ging es auf einem schmalen Wirtschaftsweg wellig mit vielen kurven und steilen Stichen einmal komplett um den Kronplatz.

Der Hammer kam aber zum Schluss mit dem zehn Kilometer Aufstieg zum Furkelpass. Hier galt es 700 Höhenmeter zu überwinden und einige Rampen gingen wieder knapp an die zwanzig Prozent. Da haben die Beine ordentlich gebrannt, obwohl manchmal nur 7 km/h auf dem Tacho standen. Nach einer kurzen Abfahrt kam das Ziel in St. Vigil. Für die Strecke haben wir knapp drei Stunden und 57 Minuten gebraucht. Die Schinderei hat sich für uns gelohnt, denn es hat für Platz 62 gereicht. Damit sind wir insgesamt auf den 70 Platz vorgerutscht.
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So langsam schleicht sich hier Routine ein. Wir gehen um neun zum Start, fahren einen Berg hoch, wieder runter, wieder hoch, wieder runter, dazwischen noch Tempo machen auf den Flachstücken und irgendwann kommt das Ziel. Mittlerweile trifft man auch unterwegs immer die gleichen Mitfahrer und freut sich, wenn man mal einen überholen konnte, der am Tag davor noch weg gefahren ist. Man kennt dann auch die Leute, mit denen es sich lohnt auf der Flachen in der Gruppe zu fahren. Heute hatten wir eine Zeit lang ein großes Feld Mixed-Fahrer um uns herum. Das sind die Teams, in denen eine Frau und ein Mann zusammen fähren. Die meisten haben am Berg eine gute Arbeitsteilung: der Mann fährt und die Frau hält sich an seinem Sattel fest. Es gibt aber auch genug Frauen, die alleine die schweren Pässe hoch fahren und uns dabei ganz locker abhängen.

Morgen steht uns eine etwas leichtere Etappe mit einem tollen Ausblick auf die Dolomiten bevor. Mal sehen, ob es wirklich so leicht wird, wie das Roadbook verspricht oder ob die fehlenden Höhenmeter mit mehr Geschwindigkeit ausgeglichen werden.